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Brigitte Prommegger-Weilguni

Ayurveda
Ayurveda

Methode, Konzept und Geschichte

Ayurveda ist ein Diagnose- und Behandlungssystem, das der altindischen Weltanschauung entstammt und u. a. Behandlungsmethoden wie Diäten, ausleitende Verfahren, Meditation und eine Pflanzenheilkunde umfaßt. Ayurveda bedeutet, wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt, "Wissen vom langen Leben".

Es ist Teil der vedischen Schriften, in denen das jahrtausendealte Wissen der alten indischen Hochkultur überliefert wurde. Der Ayurveda beginnt etwa 2500 Jahre vor unserer Zeitrechnung. In Europa hatte der Ayurveda zur Zeit von Hippokrates von Kos (460-377 v. Chr.), dem großen Medizinmann der Antike, eine gewisse Konjunktur. Vom Gründer der griechischen Heilkunde ist überliefert, daß er vorrangig mit den Mitteln der ayurvedischen Medizin arbeitete.

Im heutigen Europa wird von Ärzten oder Heilpraktikern vorrangig der Maharishi-Ayur-Veda angewendet. Ayurveda soll "göttlichen Ursprungs" sein und sucht neben der Erhaltung der Gesundheit nach dem tieferen Sinn des Lebens. Im Vordergrund stehen ein eigenes Bild vom Kranksein, Maßnahmen zur Vorbeugung und Hygiene, aber auch Diagnose- und Therapieverfahren und eine Medikamentenlehre. Ayurveda unterscheidet Innere Medizin, Frauen- und Kinderheilkunde, Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenheilkunde, Psychiatrie, Chirurgie, Sexualmedizin und die Lehre von den Vergiftungen. Krankheiten dringen nach Ayurveda-Lehre von außen in den Körper ein. Deshalb spielt die Reinhaltung der Körperöffnungen eine große Rolle. Mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung wird heute mit Ayurveda-Medizin behandelt.

Grundlage dieser Lehre bildet die "Tridosha", das Konzept der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha, die sich aus den fünf kosmischen Naturelementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum ableiten und miteinander sämtliche Funktionen und Abläufe des menschlichen Organismus und der Psyche bestimmen. Die drei Doshas sind auch für die Eigenschaften und die "Konstitution" des einzelnen Menschen verantwortlich. Ihre Konstellation bestimmt über seine Stärken und Schwächen, seine Krankheitsanfälligkeit, die Wechselwirkung zwischen Organismus und Psyche sowie seine Reaktionen auf Ernährung, Arzneien, klimatische Einflüsse oder Sinneseindrücke. Die Doshas sind wechselseitig voneinander abhängig und müssen, sollen sie keine Erkrankungen produzieren, aufeinander abgestimmt sein.

Nach traditioneller Vorstellung zeichnet es einen gesunden Menschen aus, sein Lebenskonzept und die Beziehung zu seiner Umwelt in einer stabilen Balance zu halten. Ist dieses Gleichgewicht gestört, sendet der Körper "Signale" aus. Werden diese ignoriert, entwickeln sich Krankheitssymptome. Dominiert ein Dosha die anderen oder ist es krankhaft geschwächt, so komme es vor allem zu schädlichen Ablagerungen von Giftstoffen und "Schlacken" ("Ama"). Die daraus resultierenden Beschwerden sollen durch entsprechende Gegenmaßnahmen ausgeglichen werden. Zu Behandlungsbeginn wollen Ayurveda-Ärzte mittels Riechen, Sehen, Hören, Fragen und Tasten sowohl das Wesen der Erkrankung als auch die "Natur" des Patienten diagnostizieren: - Eine eigene Pulsdiagnose, die der Arzt mit drei Fingern durchführt, soll Hinweise auf den Zustand und die Konstellation der Doshas geben. - Eine "Prakriti"-Analyse soll Aufschluß über die Besonderheiten des Behandelten geben. Die Prakriti bestimmt sich u. a. durch astrologische Konstellationen sowie die Umstände der Zeugung und der Schwangerschaft und kann während des menschlichen Lebens nicht beeinflußt werden. Um die in "Dysbalance" befindlichen Doshas wieder zu harmonisieren, werden unter anderem Fastenkuren, Ölmassagen, Bäder, ausleitende Verfahren, wie Erbrechen, Einläufe oder Aderlaß, und verschiedene Meditationsformen wie Yoga oder Transzendentale Meditation sowie Farb-, Musik- und Aromatherapie angewandt. .

Außerdem setzt der Ayurveda rund 5000 Pflanzen in unterschiedlichen Zubereitungsformen - häufig kombiniert mit Mineralien und Metallen - ein. Inzwischen versuchen internationale Pharmakonzerne mit großem Aufwand, indische Heilpflanzen pharmakologisch zu untersuchen, um einzelne Wirkstoffe oder Wirkstoffkomplexe zu isolieren und zu vermarkten. Von solchen Bemühungen abgesehen, scheiterten bislang verschiedene Versuche, ayurvedische Gesundheits- und Krankheitskonzepte mit den Vorstellungen der modernen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin zu verknüpfen.

Mehrere tausend Substanzen in Obst, Gemüse, Kartoffeln und Vollkornprodukten fallen unter den Begriff sekundäre Pflanzenstoffe, sie wirken u. a. krebs- und entzündungshemmend, verdauungsfördernd, blutdrucksendend und antioidativ.

Anwendungsgebiete und Wirkungsweise

Der Ayurveda soll nach Darstellung einiger seiner Betreiber bei fast allen Krankheiten und Beschwerden wirksam sein. Viele westliche Ayurveda-Therapeuten überlassen die Behandlung von akuten oder psychiatrischen Erkrankungen der Schulmedizin. Demgemäß wird er in Deutschland am häufigsten bei psychosomatischen und chronischen Leiden und in der Frühbehandlung von Befindlichkeitsstörungen eingesetzt. Eine Behandlung mit Ayurveda soll dysharmonische Doshas wieder ins Gleichgewicht bringen und damit Beschwerden die Grundlage und die antreibende Kraft entziehen. Diese Vorstellungen sind dem abendländischen Denken nicht vertraut, wurden seit ihrer Entstehung nur geringfügig weiterentwickelt und sind kaum in einen anderen Kulturkreis übertragbar. Viele Vorstellungen des Ayurveda können allerdings u. a. als fernöstliche Vorläufer der modernen, psychosomatisch orientierten Vorsorgemedizin gelten.

Aus: http://www.gesund.co.at